Portrait von Katrin Münch

Katrin Münch

sysadmin

Portrait von Katrin Münch

Katrin Münch aus Lichtenau

    Katrin Münch

    Stichworte

    Alle Portraits
    Asperger Autismus – Strukturen und Rahmenbedingungen
    Empowerment
    Erster Arbeitsmarkt
    Selbstreflexion

    Ich möchte mit dem Interview auch zeigen, dass man als Asperger Autistin auf dem ersten Arbeitsmarkt unterkommt.

    Ich brauche definitiv ganz klare Strukturen.

    Ich kann manchmal schwer zwischen den Zeilen lesen.

    Ich bin jetzt glücklich mit dem Beruf, den ich habe.

      Es ist schwierig für mich, als Asperger Autistin völlig unvorbereitet in so ein Gespräch zu gehen. Wenn ich vorher Fragen gehabt hätte, wäre es ganz gut gewesen. Ich konnte die Nervosität aber heute früh und vorhin ganz gut ausblenden. Ich brauche definitiv ganz klare Strukturen. Ich brauche einen gewissen Handlungsrahmen, wo ich weiß, die Aufgaben kann ich machen. In dem Rahmen bin ich flexibel. Aber dann wird es schon schwierig, wenn doch mal außerhalb des gedachten Rahmens etwas anderes dazwischenkommt. Meine Kollegen versuchen, das zu beachten. Ich brauche schon klare strukturierte Anweisungen, am besten schriftlich.

      Ich arbeite in Chemnitz als Sachbearbeiterin im öffentlichen Personennahverkehr. Dort bin ich zuständig für 46 Schulen. Damit die Kinder im Landkreis Mittelsachsen, egal ob sie behindert oder nichtbehindert sind, in die Schule kommen.

      Zu meiner Arbeitsstelle bin ich durch ein Praktikum gekommen. Ich war vorher aufgrund einer Depression im beruflichen Trainingszentrum in Dresden. Zu der Zeit habe ich noch in Dresden gewohnt. Ich wollte wieder zurück in meine alte Heimat, deshalb habe ich es einfach auf ‚gut Glück‘ mit dem Praktikumsplatz in Chemnitz versucht. Damals war ich extrem unterfordert, auch geistig unterfordert. Und dann hat sich irgendwann die Möglichkeit ergeben, die Stelle als Sachbearbeiterin zu bekommen. Mir kam natürlich sehr entgegen, dass ich die Orte, die ich betreue, sehr gut kenne. Da fällt mir die Sachbearbeitung beziehungsweise Antragsprüfung nicht wirklich schwer. Ich bin jetzt glücklich mit dem Beruf, den ich habe.

      Durch die Diagnose Asperger Autismus, auch wenn sie manchmal nicht so klar bemerkbar ist, habe ich schon meine Schwierigkeiten in der Kommunikation und in der sozialen Interaktion. Ich kann manchmal schwer zwischen den Zeilen lesen. Wenn ein ganzer Zaun angeflogen kommt, dann bekomme ich es schon mit, aber einzelne Zaunlatten sind schwierig.

      Ich habe eine tolle Arbeitsstelle. Ich möchte mit dem Interview auch zeigen, dass man als Asperger Autistin auf dem ersten Arbeitsmarkt unterkommt. Das ist mir sehr wichtig. Das soll andere ermutigen.

      Interview geführt am: 28. Mai 2019

      Hallo!

      Ich bin Katrin Münch aus Lichtenau.

      Hallo Frau Münch!

      Erzählen Sie uns bitte von sich.

      Katrin Münch:

      Dieses Gespräch ist schwierig für mich.

      Ich kenne Ihre Fragen nicht.

      Daher bin ich nicht vorbereitet.

      Ich brauche klare Strukturen.

      Am liebsten habe ich schriftliche Aufgaben.

      Das liegt daran, dass ich Asperger-Autismus habe.

      Asperger-Autismus ist eine leichte Form von Autismus.

      In einem klaren Rahmen kann ich gut arbeiten.

      Meine Kollegen wissen das.

      Sie beachten das auch.

      Wo arbeiten Sie denn?

      Katrin Münch:

      Meine Arbeit ist in Chemnitz.

      Ich arbeite als Sach-Bearbeiterin für Bus und Bahn.

      Ich kümmere mich um den Transport von Schul-Kindern.

      Das heißt:

      Dass die Kinder zur Schule gebracht werden.

      Manche Kinder haben eine Behinderung.

      Andere Kinder haben keine Behinderung.

      Ich betreue 46 Schulen.

      Die Schulen sind in Mittel-Sachsen.

      Was haben Sie vorher gemacht?

      Katrin Münch:

      Vorher habe ich in Dresden gewohnt.

      Ich hatte eine Depression.

      Depression ist eine Erkrankung von den Gefühlen.

      Ich habe mich sehr traurig gefühlt.

      Daher war ich im beruflichen Trainings-Zentrum.

      Aber das war sehr langweilig.

      Ich wollte wieder in meine Heimat:

      Nach Chemnitz.

      Ich habe eine Bewerbung geschrieben.

      Für ein Praktikum in Chemnitz.

      So habe ich die Stelle als Sach-Bearbeiterin bekommen.

      Ich betreue einige Orte.

      Ich kenne sie sehr gut.

      Das macht meine Arbeit einfacher.

      Mir gefällt mein Beruf.

      Ich bin glücklich.

      Hat Ihre Arbeit auch Herausforderungen?

      Katrin Münch:

      Manchmal schon.

      Ich habe Asperger-Autismus.

      Deshalb habe ich im Gespräch mit anderen Menschen manchmal Probleme.

      Ich kann hören, was sie sagen.

      Aber ich verstehe sie trotzdem nicht.

      Soziale Beziehungen sind für mich manchmal schwierig.

      Aber ich habe eine tolle Arbeits-Stelle.

      Ich möchte anderen Mut machen.

      Auch als Asperger-Autistin findet man Arbeit.

      Darüber bin ich froh.

      Das Gespräch war am 28. Mai 2019.

      Katrin Münch

      Kurztext in Gebärdensprache (das Video besitzt keinen Ton und keinen Untertitel):

      Katrin Münch

      Bildbeschreibung und Einsprache des Kurztextes:

      play_circle_filled
      pause_circle_filled
      Portrait - Frau Münch
      volume_down
      volume_up
      volume_off