Image

Maria aus Dresden

    Maria

    Stichworte

    Psychische Erkrankungen
    Rollstuhl
    Studium mit Behinderung

    Unsichtbare Behinderungen werden leider selten akzeptiert.

      Ich bin Maria und studiere Mechatronik. Theoretisch wäre ich im 4. Semester, praktisch bin ich im 2. Semester. Ich sitze erst seit zwei Monaten im Rollstuhl und das aufgrund einer dissoziativen Bewegungsstörung, auch funktionelle neurologische Störung genannt. Diese Thematik ist noch nicht so gut erforscht. Ich habe auch noch andere Vorerkrankungen wie Autismus, Tourette und psychische Erkrankungen. Jetzt mit dem Rollstuhl habe ich wieder eine neue Sichtweise auf die Dinge, weil ich noch mehr Barrieren sehe.

      Dass ich im Rollstuhl sitze, das hat sich schleichend entwickelt. Ich bin erst zum Arzt gegangen, als es nicht mehr ging. Bei den Ärzten wird „dissoziativ“ häufig mit „psychisch“ gleichgesetzt. Das ist schwierig, weil es bei mir auch mit den anderen Vorerkrankungen zusammenhängen kann. Es gibt auch nicht wirklich eine gute Therapie. Ich habe aktuell das Problem, dass Ärzte mir keine Physiotherapie verschreiben wollen, weil sie der Meinung sind, es ist ja „nur“ psychisch. Ich bin in psychotherapeutischer Behandlung, aber selbst, wenn sich die psychische Blockade lösen würde, würde das nicht innerhalb einer Woche passieren. Man muss auch etwas für den Körper tun.

      Wenn man eine Behinderung hat, hat man eigentlich einen 40-Stunden-Job - einfach, weil man nur mit Ämtern, Ärzten und Therapien beschäftigt ist. Man rennt immer allem hinterher. Viele Leute vergessen, was das für ein Aufwand ist, nur damit man die Hilfe bekommt, die man braucht.

      Vor allem unsichtbare Behinderungen und besonders auch psychische Erkrankungen werden leider oft nicht toleriert oder akzeptiert, beispielsweise auch an Universitäten und Schulen. Beim Thema Nachteilsausgleich wird man oft nicht ernst genommen oder man bekommt zu hören: „Dann musst du dich einfach zusammenreißen“. Psychisch erkrankte Menschen werden gemieden, als dumm oder faul dargestellt, obwohl bekannt ist, dass es auch eine körperliche Erkrankung ist, weil das Gehirn auch zum Körper gehört. Da gibt es einfach Störungen, die nichts mit „wollen“ oder „nicht wollen“ zu tun haben.

      Interview geführt am: 19. Mai 2022

      Maria

      Kurztext in Gebärdensprache (das Video besitzt keinen Ton und keinen Untertitel):

      Placeholder

      Maria

      Bildbeschreibung und Einsprache des Kurztextes:

      play_circle_filled
      pause_circle_filled
      Portrait - Maria
      volume_down
      volume_up
      volume_off